Kaffee gehört für viele Menschen zum Alltag. Die Meinung, dass Kaffee den Blutdruck erhöht und Herzrhythmusstörungen auslöst, ist weitverbreitet. Doch was sind die Facts?
Kaffee und Blutdruck –weniger problematisch als gedacht
Viele vermuten, dass Kaffee den Blutdruck deutlich erhöht. Kurzfristig kann Koffein tatsächlich zu einem leichten Blutdruckanstieg führen – dieser Effekt ist jedoch nicht sehr ausgeprägt und verschwindet bei regelmässigem Konsum vollständig. Beobachtungsstudien und Meta-Analysen zeigen, dass regelmässiges Kaffeetrinken (bis zu 4–5 Tassen pro Tag!) den Blutdruck langfristig nicht erhöht.
Auch für Menschen mit stabiler Hypertonie fand man keinen negativen Einfluss. Entscheidend ist die Regelmässigkeit: Wer jeden Tag Kaffee trinkt, reagiert weniger empfindlich auf den Blutdruckanstieg als jemand, der nur selten Kaffee konsumiert.
Kaffee und Herzrhythmusstörungen – doch nicht so schlimm!
Während langer Zeit wurde vermutet, Kaffee verursache Herzrhythmusstörungen wie Extrasystolen oder Vorhofflimmern. Doch grosse Studien zeigen ein anderes Bild. Im Jahr 2023 wurde im New England Journal of Medicine eine Studie publiziert, die die Anzahl der täglichen Extrasystolen in Zusammenhang mit Kaffeekonsum untersuchte. Ergebnis: Kein Anstieg von Rhythmusstörungen durch Kaffee – weder bei sogenannte ventrikulären (aus der Herzkammer) noch bei supraventrikulären (aus den Vorhöfen) Extrasystolen. Siehe Marcus et al. https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa2204737
Nun wurde im November 2025 am American Heart Association Kongress eine neue Studie vorgestellt: die sogenannte DECAF Studie (international, mehrere Zentren, offen randomisiert). Es nahmen 200 Erwachsene (Durchschnittsalter 69 Jahre; 71 % Männer) mit Vorhofflimmern teil, die bereits im Vorfeld normalerweise etwa 1 Tasse Kaffee pro Tag tranken. Nach erfolgreicher Behandlung des Vorhofflimmerns mit sogenannter Konversion (elektrisch oder medikamentös) in einen normalen Rhythmus (Sinusrhythmus) , wurden die Teilnehmenden im Verhältnis 1:1 aufgeteilt entweder in eine Kaffee-Gruppe, die weiterhin etwa 1 Tasse Kaffee pro Tag trank, oder in eine Abstinenz-Gruppe, die 6 Monaten lang vollständig auf Koffein verzichtete. Die übrigen Medikamente wurden unverändert weiterverabreicht. Es wurde der Konsum von Kaffee und anderen koffeinhaltigen Getränken erfasst. Während 6 Monaten Beobachtungszeit wurden klinisch nachweisbare Rezidive von Vorhofflimmern/Vorhofflattern von mind. 30 Sek. Dauer erfasst.
Ueberrascherweise waren Rezidive von Vorhofflimmern- oder Vorhofflattern in der Kaffee-Gruppe (47 %) seltener als in der Gruppe mit Koffein-Abstinenz (64 %), was ein im Vergleich um 39 % geringeres Risiko für ein Rezidiv des Vorhofflimmern bedeutet. D.h. bei Personen , die bereits Kaffee trinken, scheint die weitere Einnahme von koffeinhaltigen Getränken auch bei einer Neigung zum Vorhofflimmern kein Problem sein. Es gibt allerdings Personen, die über das Auftreten von Vorhofflimmern noch coffeinhaltigen Getränken berichten, diese sollen selbstverständlich darauf verzichten.
Noch zur Erinnerung: im Januar 2025 wurde eine grössere Studie publiziert bei 2400 Teilnehmern mit dem Ergebnis, dassKaffeetrinker (>5 Tassen pro Tag…) ein besseres Abschneiden bei mentalen Tests hatte und das kognitive Alter 6.7 Jahre jünger war als bei den anderen.. Nachdem ja Vorhofflimmern mit einem gehäuften Auftreten von Demenz assoziiert ist , sollten Patienten mit Vorhofflimmern also wirklich regelmässig Kaffee trinken siehe Barbagallo et al. https://www.ahajournals.org/doi/epub/10.1161/JAHA.124.034365
Achtung. Dies gilt für Kaffee und nicht für Alkohol: Schon geringe Mengen Alkohol können das Risiko für Vorhofflimmern erhöhen….und die Einnahme von Alkohol ist klar mit Demenz assoziiert.
Sehr hohe Mengen Koffein (Energydrinks, Kapseln, >10 Tassen am Tag) können hingegen zu Unruhe, starkem Pulsanstieg, Herzrasen oder gefährlichen Rhythmusstörungen führen. Eine Koffeinintoxikation kann auftreten, aber dazu benötigt man extreme Dosierungen.
Kaffee hat Effekte, die im Alltag durchaus hilfreich sein können:
- erhöhte Aufmerksamkeit, schneller Reaktionszeit, bessere Konzentration
- verbesserte Stimmung
- leicht gesteigerte körperliche Leistungsfähigkeit
- in manchen Fällen Linderung von Migräne, niedriges Risiko für Alzheimer, bessere kognitive Fähigkeiten im Alter
- Steigerung der Ausdauer, minim auch der Kraft
- Leichte gute metabolische Effekte, Steigerung Darmtätigkeit etc.
Ein „Koffeinrezept“ erhält man zwar noch nicht – aber der Nutzen im Alltag ist durchaus belegt.
Fazit
Kaffee ist besser als sein Ruf. Weder führt er zu Bluthochdruck noch ist er ein Auslöser von Herzrhythmusstörungen in moderater Dosis. Im Gegenteil: In moderaten Mengen konsumiert ist Kaffee eher herzfreundlich als herzschädlich. Nur bei extrem hoher Aufnahme besteht die Gefahr einer Koffeinüberdosierung – der normale Kaffeekonsum ist sicher.




